Rede anlässlich der Vernissage in der Galerie „raum“, Bern, Januar 2004 von Sigi Amstutz

Warum nur
nehmen diese Bilder
mir meine
Ruhe und Trägheit weg

Warum nur
kehre ich
immer wieder
zu ihnen zurück
suchend
forschend
staunend
fragend

Sind es
die kühnen
wie hingeworfenen Farbklänge
ihre Dynamik und Dramatik

Ist es
die eigenartige Ausdruckskraft
der Darstellung

Sind es
die vibrierenden
Flächen und Linien
die eigenwilligen
Formen und Zeichen
oder –
oder geht es
um mich
mein Seh – Vermögen
meine innere Lebendigkeit
meine Existenz
die hier
herausgefordert und angerührt wird


Es mag vorerst
das Ungewohnte sein
das mich
aus den Bildern
anblickt
das scheinbar
Zufällige und Chaotische
der Komposition
auch das Sperrige
an ihnen
das Unzulängliche
und Abweisende
das Verschlüsselte
es weckt mich auf
bringt meine
fixen und fixierten
Vorstellungen
durcheinander –
und löst
allmählich
meine inneren
Zwänge auf
- lass dir Zeit lass dir Zeit -
bringt Bewegung
in meine
geordneten
grauen und geraden
Alltagsaugen
SOMMERGRAS WINDBEWEGT

Das Unverhoffte
kommt dazu
eine Skala
von Ueberraschungen
die Freiheit und Leidenschaft
des Ausdrucks
die Tiefe und Energie
der Farben
die persönliche Malweise
die jähe
Gleichzeitigkeit
der Gegensätze
Dichtes und Aufgelöstes
Schwankendes und Festes
Durchsichtiges und Verhülltes
Bewegtes und Ruhendes
Lautes Leises
Helles Dunkles
Vergängliches Bleibendes

SOMMERFLECKEN FARBGEPRAEGT

Und dann
das Unerklärbare
Die Abwesenheit
des Gegenständlichen
der Verzicht darauf
oder die Befreiung davon
setzt die Imagination
in Gang